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Marcel Walldorf
Labskaos
20.04.2017 - 13.05.2017

Wir freuen uns unser neues Projekt Paul Roosen Contemporaray mit der Einzelausstellung von Marcel Walldorf zu eröffnen. Paul-Roosen Contemporary ist eine neue Galerie für zeitgenössische Kunst in Hamburg. In dem kleinen Raum, der sich im Gebäude der Affenfaust Galerie befindet, werden wir in Zukunft mit ausgewählten Positionen zeitgenössischer Kunst internationaler Künstlerinnen und Künstler experimentieren.
www.facebook.com/PaulRoosenContemporary/
Der Wortherkunft nach ist das Seemannsgericht Labskaus eine ›Speise für Flegel‹: Ursprünglich von hartgesottenen, zahnlosen Seefahrern verzehrt, kommt der unansehnliche Brei aus Kartoffeln, Pökelfleisch und Roter Beete bis heute in norddeutschen Kombüsen, vornehmlich mit Spiegelei und Fisch gekrönt, auf den Teller. Was ist also zu befürchten, wenn Marcel Walldorf seine Ausstellung nun mit dem ironischen Schachtelwort ›Labskaos‹ betitelt? – In jedem Fall müssen sich die Besucher auf einen entsprechend doppelbödigen Mix aus Material, subtilem Wortwitz und paradoxen Symboliken gefasst machen.
In den eigens für die Schau entwickelten Arbeiten wird Gewöhnliches in Außergewöhnliches überführt. Die Wirkung, die von den Objekten und Mischwesen ausgeht, bringt unsere verlässlich geglaubte Ordnung ins Wanken.
Durch das Zusammenbringen von scheinbaren Kontroversen entstehen Spannungsfelder zwischen Fiktion und Realität, Beklemmung und Provokation, Absurditäten und Kitsch. In seinen Arbeiten spürt Walldorf immer wieder emotionalen wie rationalen Ambivalenzen und Unzulänglichkeiten nach, die uns
manchmal erst auf den zweiten Blick einholen. Walldorf serviert uns somit auch diesmal absonderliche Kost, die dank einer Prise Leichtfüßigkeit dennoch gut bekommt.
Wer sich dieser Verpflegung gewappnet fühlt, kommt zwischen dem 20.04.2017 und dem 13.05.2017 ins Paul Roosen Contemporary.
Text: Helene Osbahr
Vernissage: Donnerstag, 20. April, 19-24 Uhr
Laufzeit: Samstag, 22.April – Samstag, 13.Mai
Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag 15 – 19Uhr – Samstag 14 – 18 Uhr
 

Marcel Walldorf im Interview

Der Frankfurter Künstler Marcel Walldorf (*1983 in Friedberg, Hessen) sorgte erstmals 2010 mit seiner lebensgroßen Plastik ›Petra‹ über die Bundesgrenzen hinaus für Furore: Die Skulptur zeigt eine aus Kunststoff, Silikon, Textil und Stahl modellierte Polizistin, die in Kampfmontur und herunter gelassener Hose auf den Boden uriniert. Einschlägige Zeitungen berichteten über diesen vermeintlichen Skandal und Walldorf wurde von Seiten der Presse und Politik zunächst auf die Rolle des Pöbelkünstlers reduziert.
Dass die Arbeiten des ehemaligen Meisterschülers von Eberhard Bosslet in Wahrheit eine differenziertere Wahrnehmung wert sind, bewies er in zahlreichen darauf folgenden Gruppen- und Einzelausstellungen. Marcel Walldorf lässt sich für seine meist dreidimensionale Kunst, die sich durch einen treffsicheren Einsatz von unterschiedlichsten Materialien sowie durch bizarre Doppeldeutigkeiten auszeichnet, vom alltäglichen Wahnwitz inspirieren. Dass dieser entweder mit ganz banalen, sozialen oder machtpolitischen Themen korreliert, liege laut Walldorf vielmehr in der Natur der Sache, als dass bewusst auf Krawall oder Ähnliches abgezielt werde. In einem Interview verrät er mehr:

Wie stehst Du heute zu dem von ›Petra‹ ausgehenden und nun bereits sieben Jahre zurückliegenden Medienzirkus?

Medienzirkus ist auf jeden Fall das richtige Wort dafür. Als der Trouble um ›Petra‹ losging, war ich noch Student in Dresden und fühlte mich ein bisschen wie ein Versuchskaninchen, das schon mal einen Vorgeschmack auf die ›böse Welt‹ außerhalb der Hochschule bekommt. Heute gehe ich entspannter mit der Geschichte um. Durch die Boulevardpresse kam zuerst eine sehr negativ konnotierte Schlammschlacht ins rollen, woraus sich kurze Zeit später aber eine interessante und vielseitige Debatte entwickelt hat. Wenn man aber einen bestimmten Stempel von Seiten der Presse verpasst bekommen hat, ist es gar nicht so leicht wieder einen Weg daraus zu finden. Ich habe erstmal versucht, diesem Klischeebild bewusst entgegenzuwirken – um eben gerade nicht auf diesen Hype aufzuspringen – und sehe es jetzt rückblickend eher als eine ironische Anekdote, die zu mir gehört und Türen sowohl geöffnet als auch verschlossen hat. Ich habe heute auf jeden Fall einen gesunden Abstand dazu entwickelt und bin froh, dass ich nicht mehr als ›One Hit Wonder‹ wahrgenommen werde.

Petra, 2010 mixed Media 80 x 70 x 100 cm – Hyperrealistische Nachbildung einer pinkeldnen Polizistin in Kampfmontur. Die Uniform ist ursprünglich nur für männl. Polizisten entworfen. Für Frauen stellt das Urinieren in Uniform einen erheblichen Verlust ihres Schutzraumes dar.


Neben hyperrealistischen Nachbildungen von menschlichen Körperteilen, arbeitest Du zudem häufig mit präparierten Tieren, die Du jeweils in unterschiedlichen Kontexten inszenierst. Wie kam es zu dieser Vorliebe?
Tierthematiken finde ich so interessant, weil in Fabeln und Märchen menschliche Fehltritte oft durch Tiere vermittelt werden. Wir finden uns auf diese Weise selbst in den Tieren wieder und vermeintliche Fehler bekommen dadurch eine gewisse Leichtigkeit, die in fast allen meiner Arbeiten mitschwingt. Außerdem löst ein Piepmatz, der sich in einem Meisenknödel verfangen hat, bei vielen Leuten mehr Emotionen aus, als ein Foto eines angeschwemmten Kinderleichnams. Ein präpariertes Tier, also ›echtes Material‹, hat eine ganz besondere Raumwirkung und löst ambivalente Assoziationsketten aus. Das ehemals Lebendige bekommt eine neue körperliche Präsenz, die den Betrachter mit Paradoxien konfrontiert.

Nach welchen Kriterien suchst Du Dir ansonsten das Material und die Medien Deiner Arbeiten aus?
Ich erzähle gerne Geschichten mit meiner Kunst. Daraus bedingt sich quasi meine figürliche und narrative Formen- und Materialauswahl. Zuerst entsteht also eine Bildidee im Bauch, die ich anschließend versuche so gut es geht umzusetzen. Oft entscheide ich mich dabei für das Dreidimensionale, weil es eine ganz spezifische Raumwirkung ausstrahlt und durch ihre dinghafte Präsenz leichter an unseren alltäglichen Lebenswirklichkeiten anknüpft.
Was bedeutet der Begriff ›Ironie‹ für Dich?
Ich würde in Bezug auf meine Arbeiten eher von Selbstironie sprechen. Ich finde es wichtig, dass man sich trotz – oder besser aufgrund – der vielen absurden Szenerien in der Kunst- und Medienwelt ein Augenzwinkern bewahrt.


Deine aktuelle Einzelausstellung im neu eröffneten Paul-Roosen-Contemporary hast Du ›Labskaos‹ getauft. Was erwartet uns?

Ich mag Wortspiele generell sehr gerne und so sind sie oft Ausgangspunkt von Titeln oder Bildideen. Dadurch, dass mich die Presse anfangs in das Licht des ungeschliffenen ›Krawalldorf‹ gestellt hat, greife ich dieses Image gerne mal auf. Die Ausstellung ›Labskaos‹ serviert Pöbelfleisch in Verbindung mit den erlesensten Zutaten, ein schmackhaftes Allerlei meiner aktuellen Arbeiten. Ich hoffe da ist für jeden was dabei.
Dein ehemaliger Professor an der HfBK Dresden, Eberhard Bosslet, aktualisierte mit seinen Installationen in Innen- und Außenräumen den Begriff der Intervention. Inwieweit hat Dich sein Denken beeinflusst?
Bosslet arbeitet im Gegensatz zu mir gar nicht figürlich. Als Student hat er mich also weniger in meinem künstlerischen Ausdruck geprägt, als dass er mir ein Gefühl für spezifische Materialien und deren Wirkung vermittelt hat. Intervenieren, im Sinne von ›Eingreifen‹ oder ›Dazwischentreten‹ möchte ich also nicht wirklich in den architektonischen Innen- oder Außenraum, sondern vielmehr in die abgründigen, emotionalen Vorstellungswelten von uns selbst. Ich befasse mich also lieber mit menschlichen Sphären…oder eben mit tierischen.
Was sind Deine zukünftigen Pläne und Wünsche?
Weiterhin ungetrübt auf mein Bauchgefühl zu hören und (bes-)offene Geschichten erzählen, in denen sich die Leute selber finden können.
Text und Interview von Helene Osbahr

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Vernissage

20.04.2017, 19:00

Laufzeit

20.04.2017 - 13.05.2017

Location

Affenfaust Galerie

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