Im August 2021 entstand das Wandgemälde „Anatta” als Teil der kreativen Umnutzung des Weltkriegsbunkers in Hamburg-Altona. Die großflächige Malerei auf der Außenfassade des Bunkers stellt in zweierlei Hinsicht eine Premiere dar: Zum einen ist sie das erste Mural, das in jenem ineinandergreifenden Stil gemalt wurde, und zum anderen ist sie die erste Fassadenarbeit, die 1010 einen Titel gegeben hat. „Anatta” ist ein Schlüsselbegriff der buddhistischen Lehre und bedeutet übersetzt „Nicht-Selbst” oder „Nicht-Ich”. Das, was wir gemeinhin also als „Selbst” definieren, wird in diesem Sinne vielmehr als ein Konglomerat aus sich stetig verändernden physischen wie psychischen Bestandteilen verstanden. Die Lehre von „Anatta” versucht also dazu zu ermutigen, sich von der Vorstellung eines festen Wesenskerns zu lösen.
Organisiert und realisiert wurde das Projekt von der Affenfaust Galerie in Zusammenarbeit mit dem Verein KEBAP (KulturEnergieBunkerAltonaProjekt), der sich dafür einsetzt, den Bunker zu einem Kulturzentrum samt alternativer Energieversorgung zu machen.
Weitere Infos findet ihr hier.



1010
1010, geboren 1979 in Polen, beschäftigt sich in seinem Werk mit den Mechanismen unserer Wahrnehmung, mit visuellen Zeichensystemen und mit der Frage, wie Wirklichkeit durch Erfahrungen, gesellschaftliche Strukturen und individuelle Vorstellungen geprägt wird. Bekannt wurde er durch seine charakteristischen „Holes“, „Abysses“ und „Portals“: präzise komponierte Farbflächen, die sich scheinbar in die Tiefe öffnen und den zweidimensionalen Bildraum in einen illusionären Abgrund verwandeln. Die ausgewogene Farbigkeit zieht den Blick an, während die räumliche Wirkung unsere Wahrnehmung verunsichert. Seinen Arbeiten liegt ein konzeptuelles und seriell entwickeltes System zugrunde, das 1010 kontinuierlich erweitert. Er überträgt seine Bildsprache auf monumentale Wandmalereien ebenso wie auf Leinwand, Aluminium und handgeschnittenes Papier. Daneben entstehen monochrome, organisch anmutende Figuren, die zwischen Vogel, Wurm und imaginärem Geschöpf changieren und eine dunklere, surrealere Atmosphäre erzeugen. 1010s Arbeiten sind international im öffentlichen Raum, in Galerien und auf Urban-Art-Festivals präsent. Eine seiner bekanntesten Interventionen realisierte er auf einer rund 4.500 Quadratmeter großen Autobahnfläche im 13. Arrondissement von Paris. Eine besondere Verbindung besteht zu Hamburg und zur Affenfaust Galerie. Im Rahmen des KNOTENPUNKT Festivals entstand 2014 das bis heute erhaltene Mural in der Bleicherstraße. 2021 folgte mit **„Anatta“** an der Schomburgstraße in Altona-Altstadt die zweite gemeinsam mit der Affenfaust Galerie realisierte Hamburger Fassadenarbeit. Das Mural greift den buddhistischen Begriff des „Nicht-Selbst“ auf und verbindet ihn mit dem Wandel des ehemaligen Weltkriegsbunkers zu einem Ort für Kultur, Begegnung und alternative Energie. Ob im urbanen Raum oder in seinen Galeriearbeiten: 1010 erzeugt keine bloßen optischen Effekte. Seine Werke öffnen gedankliche Räume, in denen Wahrnehmung, Identität und gesellschaftliche Wirklichkeit als veränderbare Konstruktionen sichtbar werden.
Mehr über 1010